DER ZERBROCHNE KRUG

 
Heinrich von Kleist

(c) 2018 Sandra Then


Nachdem nachts in Eves Zimmer ein Krug zu Bruch gegangen ist, wird am nächsten Morgen vor Gericht weit mehr verhandelt als bloß Keramik. Eves Mutter verlangt, den Bräutigam zur Rechenschaft zu ziehen, Ruprecht aber will die Verlobung lösen – denn er war’s nicht, der den Krug zerbrochen hat. Wer tatsächlich in der Kammer war, darüber schweigt sich Eve aus. Heinrich von Kleists Lustspiel über das Corpus Delicti eines zerbrochenen Kruges gehört seit mehr als 200 Jahren zum Kernrepertoire des deutschsprachigen Theaters, es dürfte also niemanden überraschen, dass der Dorfrichter Adam, der über dem seltsamen Fall zu Gericht sitzt, der gesuchte Krugzertrümmerer ist. Wie Adam versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und sich dabei an den Galgen lügt, das ist die eine Seite dieses Lustspiels. Die andere liest sich wie ein brandaktueller Kommentar zur #MeToo-Debatte. Denn der Machtmissbrauch des Richters reicht von Urkundenfälschung über Vetternwirtschaft und Erpressung bis zu sexueller Nötigung. Es ist nicht nur die Geschichte des unrechten Adam, sondern ebenso die einer ganzen Gesellschaft, die eine fragwürdige Autorität stützt, statt Eve zuzuhören.

 

PRESSESTIMMEN

 

"Ein scharfer und wichtiger Debattenbeitrag im zweiten Jahr der »Me Too«-Bewegung. [...] Das Außergewöhnliche an diesem Stück ist, dass und wie Kleist den quälenden Prozesstag in eine gemeine Komödie verpackt, deren Komik bis heute verblüffend gut funktioniert."
Süddeutsch Zeitung, 09.11.2018

"Linnenbaum bleibt dicht am Text, auch wenn sie das Pittoresk-Gemütliche der Vorlage eliminiert. Heinrich von Kleists »Zerbrochner Krug« ist ein überkomplexes Stück. Sündenfall im Paradies, Anti-Ödipus, Inversion der Tragödie ins Komische: Der Chiffren ist kein Ende, und kein Publikum der Welt wird das alles auf Anhieb entschlüsseln können. Daran ist schon der Regisseur der Uraufführung, ein gewisser Herr von Goethe, schier verzweifelt. Er hatte auf mehr Lacher gehofft. Dabei ist das Stück nicht nur sehr komisch, es ist saukomisch, auch wenn die Sau nicht durchs Dorf, sondern nur durch einen Gerichtssaal getrieben wird – der zugleich Krankenstation, Dorfschänke und einiges mehr ist. Im Wesentlichen also: Parodie eines Gerichtssaals; alles ist hier Parodie."
Nachtkritik, 09.11.2018

"Cennet Rüya Voß spielt die Figur der Eve sehr still. [...] Am Ende gibt ihr Laura Linnenbaum den Monolog, den Kleist einst selbst für sie gedacht hatte, zurück. Der ist bislang fast nicht inszeniert worden. Denn als Goethe den Monolog 1808 noch selbst aufführte, floppte die Inszenierung. Daraufhin hat Kleist den Monolog der Eve, in dem sie ihre Beweggründe erklärt, weggekürzt. Dieser Monolog wird Eve nun wiedergegeben, um sich in ihrer Kraft zu entfalten."
Deutschlandfunk Kultur, 08.11.2018

"Vielleicht darf man gesellschaftlichen Fortschritt nicht so kleinkrämerisch aufrechnen. Aber man kann durchaus an ihm zweifeln, wenn selbst ein über 200 Jahre altes Theaterstück über Missbrauch der brutalen Verschärfung durch die Regie bedarf, um im Jahr 2018 zeitgemäß zu sein."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2018

 

 

„Regisseurin Laura Linnenbaum hat Kleist für das Schauspielhaus entstaubt und zwischen #Me-Too-Debatte und politischer Vetternwirtschaft platziert. Und: Die Sache funktioniert.“
Neue Rhein Zeitung, 10.11.2018


"Regisseurin Laura Linnenbaum macht in Düsseldorf aus Heinrich von Kleists berühmtem Lustspiel ein Lehrstück über Missbrauch. [...] Und Cennet Rüya Voß spielt das ergreifend: die Verzweiflung und Ohnmacht des Opfers. [...] Am Düsseldorfer Schauspielhaus hat Laura Linnenbaum aus Kleists vielschichtigem Lustspiel »Der zerbrochene Krug« ein bitteres Lehrstück zur MeToo-Debatte gemacht – ohne der Gerichts-Farce die mal deftige, mal hintersinnige Komik zu nehmen."
Rheinische Post, 10.11.2018

 

 

 


Düsseldorfer Schauspielhaus

KAFKAS HAUS

Heinrich von Kleist


Premiere: 08.November 2018
Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüm:
Ulrike Obermüller
Musik: Justus Wilcken
Dramaturgie: Felicitas Zürcher

Mit:

Michaela Steiger, Cennet Rüya; Markus Danzeisen, Voß Stefan Gorski, Andreas Grothgar, Florian Lange, Rainer Philippi

GALERIE

(c) 2018 Sandra Then

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