KAFKAS HAUS

 
Schauspiel nach Erzählungen von Franz Kafka in einer Fassung von Laura Linnenbaum mit Bettina Schuster-Gaeb und Ensemble

(c) 2018 Martin Kaufhold

»Und die Menschen gehen in Kleidern / schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel, / der von Hügeln in der Ferne sich zu fernen
Hügeln breitet.«

Aus: Franz Kafka, Beschreibung eines Kampfes, 1904–1910

"Es mutet seltsam an: Ein Schriftsteller, der in einem Augenblick, da alles in Scherben fällt, da die Weltgeschichte sich beschleunigt, Millionen von Individuen durcheinandergewirbelt werden und sich dem bloßen Zufall ausgeliefert sehen, in einem Augenblick also, da die Geschichte sich in eine unvorstellbare Zahl erregender Geschichten ergießt – sonderbar ein Erzähler, der
ausgerechnet jetzt nicht mehr erzählen will und stattdessen sich dem scheinbar Geschichtslosen zuwendet, den »letzten Dingen«: Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Leben und Tod. Wahrscheinlich ist, dass Kafka an diesen Begriffen auch einen letzten Halt suchte. Und allzu
begreifl ich, dass er bisweilen selbst nicht mehr zu unterscheiden wusste, ob es um letzte Erkenntnis oder um den letzten Versuch einer Rettung ging. Er durchlebte eine universelle Krise, die jede Einbildungskraft überstieg, einen Weltkrieg, die Aufl ösung der Gesellschaft
und ihrer Werte, den Untergang des eigenen Staates."

Reiner Stach

 

 

 

PRESSESTIMMEN


"Die Regisseurin hat für ihre Inszenierung eine eigene Textfassung erstellt: Ein Glücksfall, wie sich im Laufe des Abends herausstellen wird, keine dröge Kopfgeburt, sondern eine, die ihrer szenischen Phantasie folgt. [...] Die Introspektion eines Autors wird hier nach außen gestülpt: Sichtbar und spürbar werden wir mit seiner Welt konfrontiert, die von Ängsten beherrscht wird, in der Realität und Wahn sich nicht mehr trennen lassen: eine Welt, die der unsrigen, [...] verdammt nahe kommt. Mit Kafkas Haus portraitiert Linnenbaum also weit mehr als das Seelenleben eines Künstlers. Denn sind wir nicht alle ein bisschen K.?

Dank eines hochkonzentriert und glänzend spielenden Schauspielensembles gelingt Laura Linnenbaum ein herausragender Abend, der angesichts der aktuellen Ereignisse in Chemnitz die gesellschaftliche Stimmung in unserem Land nicht besser hätte ausdrücken können."
Nachtkritik, 02.09.18

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Dann geht es bei Kafka natürlich immer auch um die Frage: Was ist hier real, was bilde ich mir nur ein? Also so eine paranoide Grundangst, die in der Inszenierung emotional geschickt getriggert wird von einer sparsam dosierten, aber suggestiven Bühnenmusik und von der strengen Ästhetik des Bühnenbilds, das natürlich ganz in Schwarz gehalten ist und als Requisite sich auf große rechteckige Tische beschränkt. Wieviel Angst kann man allein mit nackten, schwarzen Tischen erzeugen? Das ist unglaublich!.
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SR-2 Kulturradio, 02.09.2018

"Dass das Hinübergleiten von einem Kafka-Auszug zum nächsten meist nahtlos gelingt, verdankt sich neben Linnenbaums alles andere als brachialer Montagetechnik den überaus nuanciert agierenden Darstellern. Allesamt halten sie (Anne Rieckhof, Ali Berber, Sébastien Jacobi, Philipp Seidler, Gregor Trakis, Philipp Weigand und Raimund Widra) selbst in manchen fast slapstickhaften Einlagen die Balance zwischen unfreiwilliger Komik und freiwilligem Ernst."
Saarbrücker Zeitung, 03.09.18

Saarländisches Staatstheater

KAFKAS HAUS

Schauspiel nach Erzählungen von Franz Kafka


Premiere: 01.September 2018
Regie: Laura Linnenbaum
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüm:
Michaela Kratzer
Sounddesign: Fiete Wachholtz
Movementadvisor: Lili M. Rampe
Dramaturgie: Johanna Vater

Mit:

Anne Rieckhof; Ali Berber, Sébastien Jacobi, Philipp Seidler, Gregor Trakis, Philipp Weigand und Raimund Widra

GALERIE

(c) 2018 Martin Kaufhold

Kamera: Hannah Hennig / Leonard Koch
Schnitt: Leonard Koch